DIE ANFÄNGE DER
INDUSTRIALISIERUNG

Anfänge der Industrialisierung


Draht, Zinn, Holz, Korn: Das sind die Ur-Zutaten, aus denen die Industriegeschichte Oeldes gemacht ist. Ab 1870 gründen sich hier Unternehmen, von denen einige heute zu Global Playern in ihrem Markt zählen.

Den Unternehmer Carl Haver zieht es 1897 mit seiner Drahtweberei Haver & Boecker von Hohenlimburg nach Oelde. Grund ist die gute Lage an der Köln-Mindener Eisenbahn. 

Neben den Betrieben in der Möbelindustrie, den Brennereien und Brauereien, sind es Namen wie W.&H. Frieling, Westfalia Separator oder Haver & Boecker, die Oelde als Industriestandort geprägt haben.

Von Bauern, Brennern und Brauern 

Jahrhunderte hindurch war Oelde ein ruhiges und beschauliches Wigbold (örtliche Gemeinschaft im ländlichen Raum). Seine Bewohner lebten von Handel und Gewerbe. Sie beackerten nebenbei ihre kleinen Ländereien und Gärten, und nicht wenige verdingten sich als Tagelöhner bei den umliegenden Bauern.  
Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Kornbrennereien. 1738 zog Joan Hermann Schwarze von Westkirchen mit dem kompletten Firmensitz nach Oelde, erwarb die Bürgerrechte, heiratete die Tochter eines Wirtes und Brenners und schuf so das Fundament der Oelder Kornbrennerei Schwarze, auf dem das Unternehmen heute noch steht und in der 13. Generation geführt wird. 
Aber auch einen Humpen Bier verachteten die Oelder nicht. 1769 bekam Oelde durch Franz Arnold Veltmann eine Brauerei, die heute in der  siebten Generation geführt wird.  

Zur Stele "Brennen und Brauen"
Die wohl ersten Industriearbeiter in Oelde arbeiteten im Stanz- und Emaillierwerk W.& H. Frieling; Aufnahme aus dem Jahre 1879)
Die wohl ersten Industriearbeiter in Oelde arbeiteten im Stanz- und Emaillierwerk W.& H. Frieling; Aufnahme aus dem Jahre 1879)


Die Industrialisierung beginnt mit der Eisenbahn

Das doch sehr begrenzte wirtschaftliche Leben in Oelde nahm erst Fahrt auf, als die Eisenbahnstrecke von Köln nach Berlin eröffnet wurde. Am 15. Oktober 1847 hielt der erste Zug in Oelde.

Die Eisenbahn brachte Geld und Leben nach Oelde. Fremde, die sich bisher nur selten in das abseits der Straßen liegende Oelde verirrt hatten, kamen in größerer Zahl. Der Umsatz der Kaufleute hob sich. Auch das Handwerk merkte, dass die Nachfrage nach seinen Produkten stieg. 

Die Geburtsstunde der Oelder Industrie schlug aber erst nach dem siegreichen Ausgang des Krieges 1870/71. Optimismus und Unternehmungsgeist machten sich auch in Oelde bemerkbar. 1871 gründete Heinrich Frieling eine Werkstatt für verzinnte und lackierte Haus- und Küchengeschirre. Daraus entwickelt sich die Firma W.&H. Frieling mit einem Stanz- und einem Emaillierwerk.

Zur Stele "Bahnhof"

Führende Heimatzeitung im Herzen Westfalens

Am 14. Mai 1880 erschien die erste Ausgabe der „Oelder Zeitung“. Engelbert Holterdorf aus Bockum bei Lüdinghausen hatte sich 1880 Oelde als Verlagsort ausgedeutet. Wegen der ständig wachsenden Verbreitung wählte Holterdorf schon bald den Namen „Die Glocke“. Die Zeitung konnte in den folgenden Jahrzehnten immer wieder von Firmengründungen berichten. Einige konnten sich bis heute erfolgreich entwickeln. 

("Die Glocke" wurde eine Zeitlang auch in der Langen Straße gedruckt

Erste Ausgabe der "Oelder Zeitung"
Franz Ramsohl auf dem Motorwagen "Westfalia"; Aufnahme um 1910

Ramesohl & Schmidt

1893 gründeten der aus Diestedde stammende Franz Ramesohl und der in Lippstadt geborene Schnitzer und Kunsttischler Franz Schmidt die Firma Ramesohl & Schmidt, Spezialfabrik für Separatoren. Seit 1899 war die Firma eine Aktiengesellschaft, 1941 wurde sie umbenannt in Westfalia Separator AG. Seit 1990 gehört Westfalia Separator zur GEA Group.

Auch Autos wurden eine Zeitlang bei Ramesohl & Schmidt gebaut. Für den normalen Arbeiter, der rund 100 bis 200 Mark im Monat verdiente, waren die 3.500 bis 10.000 Mark teuren Fahrzeuge  jedoch unerschwinglich. Die Produktion wurde 1913 verkauft. 

(Franz Ramesohl auf dem Motorwagen "Westfalia"; Abbildung um 1910)

Unternehmenssitz Haver & Boecker; Aufnahme vermutlich aus den 1950er-Jahren

Haver & Boecker

Die 1887 von Carl Haver und Eduard Boecker in Hohenlimburg gegründete Drahtweberei Haver & Boecker verlegte 1897 den gesamten  Betrieb nach Oelde. Die gute Lage an der Köln-Mindener Eisenbahn gab den Ausschlag. Der Aufbau des Werks gestaltete sich nicht leicht. Denn eine eigentliche „Fabrikarbeiterschaft“ gab es auch 1897 in Oelde noch nicht.
Manche Firmenchronik kündet davon, dass im Winter das Arbeitskräfteproblem nicht so drängend war, „aber wenn die ersten Lerchen schwirrten, dann hielt‘s so mancher in den vier Wänden nicht mehr aus“.

(Haver und Boecker; Aufnahme aus den 1950er-Jahren)

Die Zeit um die Jahrhundertwende war auch die Geburtsstunde der Oelder Möbelindustrie. Zahlreiche Betriebe entstanden aus den örtlichen Schreinereien. 
Der Anschluss an die Autobahn gab dem Wirtschaftsstandort Oelde ab Mitte der 1950er-Jahre einen weiteren wichtigen Impuls. Während die Möbelindustrie zurückging, entwickelte sich  Oelde in den folgenden Jahrzehnten  zu einem stark expandierenden Standort mit Schwerpunkt in der Metallverarbeitung und im Maschinenbau.  

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